Ironman Austria – Rennbericht Martina Kaltenreiner

Die erste Hürde bei einer Langdistanz bzw. das erste Herzklopfen 💓 macht sich nicht erst am Wettkampftag breit sondern im Fall „IRONMAN“ bereits ein Jahr davor bei der Anmeldung. Ich habe mir das Vorhaben gut überlegt, mit meinem Partner abgesprochen und hatte erste Vorüberlegungen bezüglich Trainer.

Ein Jahr später, nach 10 Trainingsmonaten, war es dann so weit: 3,8 km schwimmen im Wörthersee, 180 km Rad fahren auf einer einzigartigen Strecke und 42,195 km -einen Marathon- laufen in und um Klagenfurt.

Eine Reise! Aber nicht nur eine Reise bei der es galt eine Distanz zu überwinden, sondern viel mehr eine Reise, um sich selbst kennen zu lernen, wissen wozu man fähig ist, seine Grenzen zu verschieben und über sich selbst hinauszuwachsen.

🏊🏽‍♀️ Wegen den warmen Wassertemperaturen von 26°C gab es Neoprenverbot. Das hieß neu überlegen, mit welchem Outfit man an den Start geht, denn die Taschen vom Radtrikot bremsen wohl zu viel und nur mit Sport-BH (und natürlich Hose 😅 👖) fühlte ich mich nicht wohl, weshalb ich mich entschloss, meinen Badeanzug 👙 darüber anzuziehen. Gesagt getan. Ab 6:45 Uhr wurden die ersten Starter*innen ins Wasser gelassen. Um 07:03 Uhr war dann ich dran. Ich fand schnell einen guten Rhythmus, dachte daran locker zu schwimmen und konnte bereits vor der ersten Wendeboje einige Athlet*innen die vor mir gestartet waren überholen. Nach der 2. Wendeboje fand ich dann auch noch einen perfekten Wasserschatten und konnte sehr locker in den Lendkanal einschwimmen. Persönlich gesehen ist das einzig geile am Kanal, dass man seine liebsten am Rand stehen sieht; der Dreck und die Mentalität mancher Mitbestreiter*innen da drinnen war nur halb so cool 🤓

🚴🏽‍♀️ Nach einem kurzen Toiletten-Stopp ging’s ab auf’s Bike und dann gleich ein kleines Problem: ich konnte meinen Schuh nicht schließen. 180 km mit lockerem Schuh? Gott sei dank war bloß ein Draht ausgehängt (ich habe schon befürchtet, dass er gerissen wäre) und ich konnte das Problem vom Rad aus ohne stehen zu bleiben lösen. Die ersten 90 km verliefen reibungslos; ich konnte gut Druck aufbauen und hatte richtig Spaß – immer mit dem Hintergedanken „nach dem radeln geht‘s erst so richtig los, also mit der Ruhe“. Galt es auf der ersten Hälfte den Körper noch zu kühlen, hatte die zweite Hälfte anderes zu bieten: der beginnende schmerzende Nacken machten ein in Position fahren zur Herausforderung, der aufkommende Wind bremst dich auf den Geraden und macht auch bereits das zur mentalen Herausforderung, welche dann nach 160 km durch einen richtigen Wettersturz den 1. Höhepunkt erreichte. Ich hatte Schwierigkeiten mich am Rad zu halten und die Strecke nicht aus den Augen zu verlieren. Der Regen bzw. leichte Hagel schmerzte auf der Haut und der Körper begann zu bibbern. 10 km durchhalten und hoffen, dass es nicht zu einem Rennabbruch käme (mir wurde später erzählt, dass die Hauptbühne evakuiert wurde und die Rennleitung wirklich kurz vor dem Abbruch stand).

🏃🏽‍♀️ Runter vom Rad, das richtige Sackerl mit meiner Startnummer finden, kurz Zuflucht im Zelt suchen, den Helfern ein Lächeln schenken und ab auf die Laufstrecke. 😄 „Ich bin verrückt!“ war alles was mir durch den Kopf ging.
Ich habe versucht auf den Körper zu hören und bin einfach (vl. etwas zu schnell 😉 ) angelaufen- endlich das bekannte Gesicht meines Trainers, der mich aufbaute und meint „nichts kann uns heute aufhalten“. FOKUS. Bleib bei dir, konzentriere dich auf dich und mache dein Rennen. Nach ca. 10 km der Blick in die nächsten bekannten Gesicherter: Peter, Mama und Papa und die Schwiegereltern sind voll bei mir und da die Überraschung: meine 2 besten Freundinnen sind spontan doch noch gekommen und schrieen sich die Seele aus dem Leib. Wahnsinn ist das ein tolles Gefühl!? 😍 nach 19 km wars dann doch schon etwas zach – kein Wunder, wenn ich den 1. Halbmarathon in 1:50 gelaufen bin *ups* 😅 da durfte/musste ich dann auch büßen. Ab Kilometer 32 betrat ich Neuland. Ich war noch nie so weit gelaufen. Die stärkste mentale Herausforderung dann auf den letzten 7,5 km. Die Beine wollen nicht mehr. Kurze Gehpausen folgen. Der Kopf schreit „du willst das so sehr! Weiter machen. Zieh es durch. Du schaffst deinen ersten Marathon in unter 4h!“ ouch! Common! Vamos! Ale! Zieh durch! Glaub an dich!

Martina, you are an IRONMAN 🤩 🏁 11:13:46

🏊🏽‍♀️ 1:11:01 – 6. AK, 44. Frau, 473. Overall
🚴🏽‍♀️ 5:57:59 – 10. AK, 66. Frau, 1192. Overall
🏃🏽‍♀️ 3:54:14 – 8. AK, 58. Frau, 714. Overall

Das ergibt:
Platz 8 in der AK 24-29
Platz 51 bei den Damen
Platz 748 GESAMT (von 3200 Gemeldeten und 2500 Finishern)
11. Platz bei den Staatsmeisterschaften (4. Platz AK)
Und zur Draufgabe: VIZELANDESMEISTERIN auf der Langdistanz (1. Platz AK) 🏆

Ich habe nicht nur meine Ziele erreicht, sondern meine Erwartungen bei weitem übertroffen.
Was letztes Jahr noch ein Traum war, wurde nun zur Realität.
Ich bin wirklich auch ohne Neopren unter 1:15 geschwommen 🏊🏽‍♀️, unter 6h geradelt 🚴🏽‍♀️ und bin meinen 1. Marathon (ca. 600m verkürzt, aber das wäre sich ausgegangen 🙃) unter 4 h gelaufen 🏃🏽‍♀️

Unter diesen Verhältnissen wird man zum wahren IRONMAN

DANKE für‘s Mitfiebern, für die lieben Nachrichten, für‘s Anfeuern und vor allem meinen liebsten für‘s Unterstützen ❤️
DANKE IRONMAN Austria

…es werden noch ein paar Gedanken, viele Bilder und ein Video folgen

 

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